Moodlemoot Berlin 2010 – day one
Der erste Tag der Moodlemoot ist vorüber und damit Zeit, eine Zwischenbilanz zu ziehen. Das Erwin-Schrödinger-Zentrum der Humbold-Universität am Campus Adlershof wurde am 25.03.2010 von fast 400 Moodlerinnen und Moodlern bevölkert und bescherte dem Hort spröder Naturwissenschaften einen Hauch von Frische, wobei Mutter Natur durch strahlendes Frühlingswetter das Ihre dazu beitrug.
Keynote: Moodle 2.0
In seiner Keynote machte Ralf Hilgenstock, der umtriebige Chef der Dialoge Beratungsgesellschaft (faktisch die deutsche Moodle-Repräsentanz), die neue Programmversion Moodle 2.0 zum Thema und kündigte für das Final Release, das gegen Ende 2010 für den Produktiveinsatz zur Verfügung stehen soll, zahlreiche Neuerungen an. Diese reichen von einem zentralen Repository für hochgeladene Daten, das den kursübergreifenden Zugriff auf Materialien ermöglichen soll, über einen Relaunch der Designs (Themes) durch konsequente Trennung von Content und Style bis hin zur Implementierung von Lernpfaden und Kursverlaufsanzeigen u.v.a.m. Insgesamt erfreuliche Nachrichten, wobei sich hinsichtlich der Implementierung von Lernpfaden die Frage stellt, ob die Moodle Entwickler sich damit nun endgültig vom (gemäßigt) konstruktivistischen Ansatz entfernen.
Track 1: Moodle in der Hochschullehre
Insgesamt nicht viel Neues. Es kann konstatiert werden, dass Moodle im Hochschulbereich längst nicht mehr nur ein Thema der “Early Adopters” ist, sondern sich bereits fix etabliert hat. Indiz dafür sind die vielen Ansätze, die Lernplattform mit existierenden Campus-Verwaltungssystemen zu vernetzen und mittels Single-Sign-in Features und Webservice-Integration die Usability zu steigern. Die Ansätze dazu sind – wie deren Präsentation – von unterschiedlicher Qualität und legen die Vermutung nahe, dass sich hier kommerziellen Anbietern – unter der Voraussetzung fairer Preise – interessante Möglichkeiten für die Vermarktung professioneller Lösungen in Form von qualitativ hochwertigen Gesamtpaketen eröffnen könnten.
Track 7: Tests und Prüfungen mit Moodle
Der Beitrag von Michael Tesar und Gerd Holweg (Fachhochschule Technikum Wien) zeigte die derzeitige Problematik von e-Testings und elektronisch gestützter Assessmentverfahren mehr als deutlich auf. Geltende Sicherheitsrichtlinien sowie ungelöste Fragen der Langzeit-Archivierung und Dokumentation führen schnell zu einem Verlust des Mehrwerts elektronischer Prüfungsverfahren. Die Störanfälligkeit der Systeme lassen ebenfalls viele Hochschulen vor einem Einsatz dieser Szenarien zurück schrecken. Seitens der “Kunden” liegen allerdings großteils positive Rückmeldungen vor, darum wird man sich auch mit Sicherheit weitere Bemühungen zur Umsetzung dieser Verfahren antun. Ob Moodle hier mit seinen Testing-Tools die richtige Wahl ist, ist natürlich auch eine Diskussion wert.
Track 9. Kooperation / Web 2.0/ Web 3d
Andreas Vollmer von der HU-Berlin stellte interessante Ansätze zur Umsetzung von OER (Open Educational Resources), eine Form des Open Content im Zusammenhang mit Moodle-Kursen dar. Besonders das auf Thomas Pfeffer (Universität Klagenfurt) zurück gehende Konzept der semi-transparenten Moodle Kurse scheint sich für die Publikation und das Wiederauffinden von Moodle-Kursen im Netz anzubieten. Nach diesem Modell werden nur jene Teile eines Moodle-Kurses nach außenhin transparent, die keine Persönlichkeitsrechte verletzen. Auch hier gibt es in der Moodle-Community verschiedene Ansätze zur Lösung dieser Problematik. Entweder auf dem Weg von Plug-Ins oder in Form von Hacks des Source-Codes. Zusammenfassend gesehen, ist die Open-Content-Frage im Zusammenhang mit Moodle auch deshalb noch ungelöst, weil die Philosophie der geschlossenen Kursräume dazu im diametralen Gegensatz steht. Genau dieser Ansatz eines geschützen Lernraumes hat m. E. in vielen pädagogischen Kontexten seine Berechtigung und ist letztlich aber auch ein nicht zu vernachlässigender Erfolgsfaktor des australischen Lernmanagement-Systems.
Track 11: Didaktik / Spezielle Szenarien
Im Rahmen dieses Tracks stellt Holger Meeh von der PH Heidelberg das Online-Authoring-Tool Udutu vor. Mittels dieses kostenfreien Werkzeugs, können in einfachster Weise multimediale Lerneinheiten gestaltet werden und mittels SCORM in Moodle integriert werden. Zwar wieder nur ein Tool unter vielen gleichartigen, die Einfachheit der Bedienung, die Online-Konzeption sowie die günstige Relation zwischen Aufwand und Qualität des Ergebnisses können überzeugen und rechtfertigen den Beginn einer ausführlicheren Testphase.
Die Tagung ist in in gewohnter Weise perfekt organisiert, die Fülle der parallel stattfindenden Tracks stellt einen aber auch häufig vor die Qual der Wahl. Leider hinterlassen aber einige Workshops und Vorträge trotz der interessant klingenden Titel ein Gefühl der Ernüchterung. Grundsätzlich jedoch ist den Organisatoren ein großes Lob für die perfekte Organisation und die Gewährleistung eines reibungslosen Ablaufs (incl. eines kompetenten technischen Supports) auszusprechen.





Trackbacks