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Moodle’s Gartentor zum globalen Dorf

2. Oktober 2011
Moodle im Fremdsprachenunterricht

Strasser, Tomas (2011): Moodle im Fremdsprachenunterricht. Boizenburg: Hülsbusch.

Thomas Strasser, Hochschullehrer an der Pädagogischen Hochschule Wien, stellt sich mit seinem jüngst erschienenen Buch mutig einem im Bereich der Bildungstechnologie und Medienpädagogik kontrovers diskutierten Thema. Während durch den raschen Bedeutungszuwachs von Web 2.0 Technologien für den Bildungsprozess manchenorts bereits der Abgesang auf die relativ monolithisch konzipierten Lernmanagementsysteme (LMS) angestimmt wird, fokussiert Thomas Strasser deren durchaus innovative Potenziale für den Bereich des Fremdsprachenunterrichts. Er zeigt am Beispiel des Lernmanagementsystems Moodle auf, dass es sich bei dieser Lernplattform konstruktivistischen Zuschnitts keinesfalls zwingend um eine vom Wissenspool des World Wide Web isolierte und zum kollaborativen Wissenskonstruktionsprozess einschlägiger Communities hin abgeschottete Applikation handeln muss, deren Tage zwangsweise gezählt sind. Vielmehr werden die Möglichkeiten von LMS im Kontext formaler Lernsettings noch bei weitem nicht genutzt, was Strasser nicht zuletzt der als durchaus „ausbaufähig“ zu bezeichnenden Medienkompetenz der derzeit aktiven Generation von Pädagoginnen und Pädagogen zuschreibt.

Ausgehend von der kritischen Rezeption der Rolle von Technologien zur Unterstützung von Lern- und Unterrichtsszenarien durch Lehrerinnen und Lehrer sowie deren – teilweise unreflektierte – Präferenz für präsenzorientierte Lehr-/Lernsettings, lotet Strasser die innovativen Möglichkeiten von Moodle als Werkzeug der technologiegestützten Präsenzlehre einerseits, sowie dessen Potenzial für den individualisierten Wissenserwerb in heterogenen Gruppen andererseits aus und sieht in der Integration dieses Lernmanagementsystems in ein Blended Learning Setting eine Möglichkeit zur Überwindung der hohen Akzeptanzschwelle von Pädagoginnen und Pädagogen. Strasser entwickelt auf dem Hintergrund der aktuellen pädagogischen Paradigmen, wie Individualisierung, Differenzierung, Umgang mit Diversität und Heterogenität sowie der zunehmenden Bedeutung konstruktivistischer Lehr-/Lernsettings einige theoretische Ansätze, die Beachtung verdienen. So berührt das Modell der “lernertragsoptimierten Symbiose” alle maßgeblichen Komponenten des Blended Learnings (Content, Coach, Communication, Collaboration, Critical Curriculum und Continuous Lessons) mit dem Ziel, in einem selbstkreierten und selbstgesteuerten Lernprozess einen optimierten Lernertrag zu erreichen. Dazu werden eine Reihe von Web 2.0 Tools, ihr mögliches Integrationspotenzial in das LMS Moodle sowie ihr methodisch-didaktischer Mehrwert im Sinne einer Anreicherung (Enrichment) von Moodle in Richtung eines „Moodle Deluxe“ analysiert und dargestellt. Strasser bezeichnet diesen Anreicherungsprozess durch kollaborative und kommunikative Applikationen aus dem Web 2.0 als Prozess der “multiperspektivischen Verwurzelung“, der Moodle in dessen Funktion als Corporate Identity eines institutionalisierten Lernortes stärken und gleichzeitig das Gefühl der sozialen Eingebundenheit und Zugehörigkeit der Lerner positiv beeinflussen soll. Strasser betont dabei, dass Erfolg und Akzeptanz einer derart didaktisierten Lernplattform letztlich wesentlich vom Gelingen eines Paradigmenwechsel von einer monodirektionalen Wissensvermittlung durch universalgelehrte Pädagoginnen und Pädagogen hin zu lernprozessbegleitenden Coaches als gleichrangige Partizipatoren im kollaborativen Wissenskonstruktionsprozess abhängig ist. Die Konzentration auf den Lernprozess in seiner individualisierter Form verlangt eine Neubewertung curricularer Vorgaben. Nicht die Erfüllung des Gesamtcuriculums ist das erstrebenswerte Ziel, sondern eine Vereinbarung über individuell zu erreichende Lernziele in Form von Kompetenzzuwachs durch kommunikativ-kollaboratives Lernen. Die „delimitierende Curricularisierung“ fördert in diesem Sinne forschend-explorierendes Lernen im Sinne eines qualitativen statt quantitativen lehrplankonformen Kontextes.

Der Mehrwert dieses Buches steckt vor allem in seinem Potenzial zur Motivation, diesen Schwenk vom Lehren zum Lernen zu vollziehen und den Mut zu entwickeln, das kreative Potenzial von Lernern zur Gestaltung ihrer eigenen Lernwelten zu nutzen. Dass Moodle hierbei keineswegs eine „Eintagsfliege“ oder ein “pädagogisches Auslaufmodell“ darstellt, versteht Strasser eindrucksvoll deutlich zu machen, auch wenn man an manchen Stellen (z.B. OpenEtherpad) etwas genauere Hinweise zur technischen Implementierung dieser Tools vermisst. Die Permeabilität von Moodle für gemeinschaftliche Lernprozesse im Web 2.0 ist ein bislang wenig beackertes Feld. Das vorliegende Buch mag für manchen ein guter Anstoß sein, weitere Synergieeffekte und didaktische Integrationspotenziale auszuloten (z.B. die Integration von sozialen Channels) um die Gartentore von Moodle hin zum globalen Dorf noch weiter aufzustoßen.

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